Google Street View

 

Was ist "Google Street View"?

"Google Street View" ist ein Datensammeldienst für den es derzeit noch keine rechtliche Grundlage gibt. Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund fordert seit längerem die Schaffung einer verlässlichen Rechtsgrundlage für diese Dienste. Google will detaillierte Bilder von Häusern und Straßenzügen ins Internet stellen. Dazu werden in weiten Teilen Deutschlands Straßenansichten für den Internetdienst "Google Street View" mit Kamerafahrzeugen aufgenommen. Anschließend will "Google Street View" die Bilder mit Häusern und Straßenabschnitten im Internet veröffentlichen. Dabei ist "Google Street View" für Internetnutzer nur auf den ersten Blick ein kostenloser Service. Denn letztlich zahlen alle Bürgerinnen und Bürger dafür: Mit einem Verlust der Privatsphäre, der durch das millionenfache Abbilden von Häusern und Gärten entsteht. Leider haben wir derzeit nicht die Möglichkeit etwas gegen diesen Dienst zu unternehmen. Wir möchten Ihnen aber die Möglichkeit geben Widerspruch gegen den Dienst "Google Street View" zu erheben und auf eine wirksame Kontrolle zu achten.

Widerspruch per Onlineformular

Für Deutschland hat Google die Möglichkeit geschaffen, vor dem Start von Street View einer Veröffentlichung von Bildern des eigenen Hauses zu widersprechen. Unter www.google.de/streetview wird es ab sofort bis 15. Oktober 2010, 23.59 Uhr - ein Onlineformular geben, mit dem Mieter und Hausbesitzer in den 20 ersten Street-View-Städten (Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal) beantragen können, dass ihr Gebäude vor Veröffentlichung unkenntlich gemacht wird.
Nach einem Widerspruch erhält der Betroffene zunächst eine Eingangsbestätigung sowie häufig die Aufforderung, sein Wohnhaus genauer zu identifizieren. Ein Grund ist, dass Hausnummern auf den Google-Bildern oft nicht erkennbar sind - was Datenschützer auch sinnvoll finden. Daher erfolgt die Identifizierung entweder über von Google über ein Formular abgefragte nähere Angaben oder über Satellitenbilder. Gefragt wird etwa nach der Farbe des Hauses oder Besonderheiten wie Balkonen oder markanten Nachbargebäuden. Für die Nutzung von Satellitenbildern will Google Anfang kommender Woche ein Internet-Werkzeug zur Verfügung stellen, mit dem das eigene Wohnhaus online gekennzeichnet werden kann.
Um Missbrauch vorzubeugen, bekommt der Antragsteller per Briefpost einen Bestätigungscode an die angegebene Anschrift geschickt, den der Auftraggeber online eingeben muss. So soll verhindert werden, dass Unbefugte fremde Gebäude aus Google Street View "verschwinden" lassen können.

Widerspruch nach Ablauf der Frist - in Street View

Ist die Vier-Wochen-Frist abgelaufen, kann man immer noch die Unkenntlichmachung von Gebäuden beantragen. Bis zum Zeitpunkt der Löschung sind die Bilder in Street View allerdings zu sehen. Die Anträge sollen innerhalb von zwei Monaten bearbeitet werden.
Der einfachste Weg, ein Gebäude, aber auch Personen und Autokennzeichen unkenntlich zu machen, befindet sich direkt in Google Street View. Am unteren Rand des Darstellungsfensters von Google Street View gibt es einen Link "Probleme melden". Dieser Alarmknopf öffnet ein Formular, in das die nötigen Angaben eingetragen werden können, um ein Haus zu verschleiern.

Jederzeit möglich: Anträge per E-Mail oder Brief

Der Veröffentlichung von Aufnahmen der eigenen Person, des eigenen Autos oder der eigenen Wohnung kann jeder per E-Mail an streetview-deutschland@google.de oder per Brief an Google Germany GmbH, betr. Street View, ABC-Straße 19, 20354 Hamburg, widersprechen.
Da nicht geklärt ist wie Google mit den Widersprüchen umgeht, empfehlen wir unbedingt eine Zweitschrift des Widerspruches per E-Mail an den Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen, Brühlstraße 9, 30169 Hannover, E-Mail: poststelle@lfd.niedersachsen.de und an den örtlichen Bundestagsabgeordneten Thomas Kossendey, E-Mail: thomas.kossendey@bundestag.de zu senden.

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) stellt entsprechende Musterschreiben im Web zur Verfügung.
 

Es können bereits jetzt Widersprüche für Orte, wie Edewecht, für die Street View erst später verfügbar ist, eingereicht werden. Entweder per Brief oder per Onlineformular, das bis in das nächste Jahr hinein angeboten werden soll.

Fragen und Missverständnisse zu Google Street View aufgeklärt
Um Google Street View ranken sich viele Fragen, Missverständnisse und Unsicherheiten. Die häufigsten Fragen werden hier behandelt, damit Sie genau wissen, was Street View kann - und was nicht:
Frage: Erfährt durch Street View jeder Nutzer, wo ich wohne?
Antwort: Nein, es findet keinerlei Verknüpfung zwischen dem Foto von Ihrem Haus und Ihrem Namen statt. Street View zeigt lediglich ein Bild der Hausfassade sowie die Adresse an. Eine Bezeichnung des jeweiligen Gebäudes finden Sie lediglich bei Firmen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten - also nur bei Objekten, deren Besitzer bzw. Betreiber ein berechtigtes Interesse daran haben, von möglichst vielen Internetnutzern gefunden zu werden.
Frage: Sieht bei Street View jeder Nutzer, was ich gerade mache?
Antwort: Diese Frage beunruhigt die meisten Anwender, doch wir können Sie beruhigen: Street View überträgt in keiner Weise Live-Bilder, wie Sie sie aus dem Fernsehen kennen. Es handelt sich vielmehr um statische Einzelaufnahmen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt geschossen wurden. Google hat bereits 2008 damit begonnen, die Aufnahmen für Street View anzufertigen - unter Umständen sind die Aufnahmen von Ihrem Wohnort also bis zu zwei Jahre alt.
Frage: Zeigt Street View auch das Innere meiner Wohnung?
Antwort: Die Street View-Fahrzeuge haben ausschließlich Bilder von öffentlich zugänglichen Straßen aus geschossen. Auf den Street View-Fotos ist folglich nur zu sehen, was auch von der Straße aus sichtbar ist. Allerdings ist die Apparatur, mit der die Aufnahmen gemacht werden, rund 2,90m hoch, sodass der Blickwinkel der Street View-Kamera am ehesten mit dem Blickwinkel von Touristen in einem Bus oder LKW-Fahrern vergleichbar ist.
Frage: Können Diebe mögliche Tatorte mit Street View besser ausspionieren?
Antwort: Eine berechtigte Befürchtung - doch bislang zeigen Statistiken keine Zunahme von Einbrüchen in den Städten, in denen Street View bereits aktiv ist. Zu diesen Städten zählt neben London und Las Vegas auch New York. Deutsche Daten liegen jedoch noch nicht vor, da Street View noch nicht gestartet ist.
(Quelle: Verlag für Computerwissen)